WortBildHauer

Leben

Lebens Kunst

Kunst ist

das Leben zu gestalten


die eigne und

der andern Welt zu finden


die eigene Sprache

die sich selbst erzählt


das Lied

das mit den andern klingt


die stimmende

der vielen möglichen 


Geschichten

alles fühlen

auch wenn’s

nicht geht

:

alles leben

– 

ich kann

alles fühlen

:

so ich

bereit bin

tief zu leiden

hoch zu fliegen

weit zu ahnen

eng zu fürchten

erlebe ich 

alles

.


wahre Freude

herrscht jenseits

allzumenschlichen

Reagierens


inmitten 

jeder Minute

des Lebens

Zeit

wer

seine Zeit

vergisst


hat Zeit


für eine kleine

Ewigkeit

der große Ton

ich komme

und gehe


fühle, verstehe

und darf ein wenig


mitsingen im großen

sich drehenden


unendlich

sich dehnenden


sich selbst

genießenden


Lebenslied


Aufgehoben

wenn der Wind

durch dich hindurch

bläst – ohne anzuhalten


wenn Sonne dich

durchscheint – ganz

ohne Schatten


wenn die Erinnerung

an Gestern, Heute, Morgen

zusammenfällt 


bist du, bin ich, sind wir 

zuletzt am Anfang

angekommen


aufgehoben – endlich

immer jetzt

all eins

der Himmel trägt

wirst du erfasst

von Gottes Wind


und glaubst

du hast die Wahl

zu kämpfen oder

zu vertrauen


erinnere 

den Vogel, der 

mit jedem Flügel

Schlag


kraftvoll

durchzieht

loslässt

und

fliegt


...


der Himmel

trägt

Spiralen

du lebst dein Leben


in Spiralen


auf denen du dich

wieder triffst – und

innehältst


bemerkst

dass du dir selbst

und deinem Fühlen

erneut begegnest


erstaunt, gereift

erinnerst du


dich deiner Seele


die gleich bleibt

und sich doch


in einer Schicht bewegt

die höher ist 

als alles

was du bisher wusstest


erkennst du die Bewegung

in diesem Gang der Wiederkehr?

älter werden

eh ich’s vergess:

ich seh nicht mehr so gut

und schwerer fällt’s, zu hören

oder will ich’s

noch nicht versteh’n?


so vieles ist erreicht

doch so viel liegt noch vor mir

und wartet manchmal nicht,

bis ich bereit bin

den Extraschritt zu geh’n


wie alt muss ich noch werden

um endlich doch gelassen

dem großen Rest des Lebens

die Hand zu geben

und heiter weise das Nötige zu tun?


um dann, wenn’s an der Zeit ist

und soweit es geht

mein Herz und Geist zu öffnen 

für das, was Leben

an Geheimnis

mir noch eröffnet

Leben

frei

in der Leere


liebend

im Sein


anhaftungslos

gleich - mutig


im Leben

wirken


ins Sterben

fallen


können

dürfen

darf ich genießen

wenn es so viel zu tun gibt


darf ich einfach ich sein 

wenn so viele das nicht sind


darf ich Fülle erfahren

wenn so viele leiden


darf ich in Frieden sein

mit allem was ich nicht leiste


ausruhen wo andere

mit gutem Grund

immer weiter gehen


in die Muße sinken

wo es vernünftig wäre

zu laufen und zu schwitzen


darf die Freude des Lebens

mich küssen

und ich mich küssen lassen


und einfach nichts

müssen


und da wird es mehr

als dürfen


:


ich muss


dürfen


Fokus



wie

ein Vogel

der lang und weit

die Kreise zieht

möcht’ ich schweben

bis klar und spitz

ich auf das Leben stürz’

das meinem enger

geword’nen

Beutekreis

gehört

das Leben ein Gedicht




fängt an 

wie aus dem Traum

wenn morgens 

Nebel fallen


und fühlt

mit neuer Kraft

wenn frühe

Sonne steigt


spielt

stolpert

sucht

und singt


erspiegelt

sich sein Leben

im Anderen

im Lieben


beschränkt

beschnitten

erfindet es 

sich neu


und






mit liebevoller Feder

mal fliegend und

mal schäbig 

kratzend

Thomas Dietz : Lyrik, Skulptur & Fotografie